Küste gegen Plastik Lädt...
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ReplacePlastic 2018: Was eure Scans bewirkt haben

Etwas über ein Jahr gibt es sie jetzt: unsere ReplacePlastic-App, mit der Kunden die Barcodes von Plastikverpackungen scannen können, um dem Anbieter ihren Wunsch nach umweltfreundlicheren Verpackungen mitzuteilen. Höchste Zeit, zu berichten, was seit dem Launch passiert ist.

Gestartet sind wir mit der App recht leise und ohne große Öffentlichkeitsarbeit. Das hatte einfach den Grund, dass wir für die relativ aufwändige Betreuung (Aufbau der Datenbank, Kommunikation mit Herstellern und Anbietern) noch kein Personal haben. Trotzdem ist die App von ganz vielen Leuten entdeckt und sehr intensiv genutzt worden. Zu Recht habt ihr immer wieder angemerkt, dass das Projekt aber noch viel bekannter werden müsste. Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: das finden wir natürlich auch. Weil wir im ersten Jahr gesehen haben, dass sich auf diese Weise einiges bewegen lässt, soll es unbedingt weitergehen und wir versuchen, die Kampagne zu vergrößern.

Im ersten Jahr habt ihr uns rund 140.000 Produkte eingesandt. Im Moment erreichen uns täglich um die 1000 Einsendungen. Eine unglaubliche Beteiligung, mit der wir in der Form echt nicht gerechnet hatten. Die Behauptung, der Kunde wolle den ganzen Verpackungswahnsinn, ist damit so pauschal wirklich nicht mehr zu halten. Es ist ganz deutlich geworden, dass dieses Thema sehr viele Menschen bewegt. Unter den Scans waren viele von verpacktem Obst und Gemüse, richtig viele Bio-Lebensmittel, viele vegetarische oder vegane Produkte, aber auch Vieles aus dem Körperpflege-Bereich.

Die Unternehmen reagieren auf unsere E-Mails mit eurem Feedback so unterschiedlich, wie die Leute auf der Straße. Manche sind ein bisschen beleidigt, viele schicken uns erstmal ihre Standard-Textbausteine zu dem Thema, aber viele geben auch zu erkennen, dass die Erwartung der Kunden ihnen schon sehr bewusst ist, und dass es Zeit ist, Veränderungen anzugehen. Aus großen Konzernen haben wir häufiger die Rückmeldung bekommen, dass die Leute, die dort in den Nachhaltigkeitsabteilungen arbeiten, sich über die ReplacePlastic-Mails freuen, weil das natürlich ihre Position im Unternehmen stärkt.

Mit vielen Unternehmen kommen wir gut ins Gespräch. Wenn wir die Mails mit den angeblich guten Gründen für die Plastikverpackungen bekommen, beantworten wir die immer noch einmal und setzen den „guten Gründen“ unsere tagtäglichen Erfahrungen mit den schädlichen Wirkungen in der Meeresumwelt entgegen. In dieser Antwort laden wir die Unternehmen auch ein, mit uns gemeinsam an den Strand zu gehen, und sich selbst ein Bild von der Problematik zu machen. Auf diese Einladung haben sich im letzten Jahr zwei Unternehmen eingelassen und haben uns bei Sammelaktionen unterstützt. Das ist für uns eine sehr wichtige Möglichkeit auch hier die Dringlichkeit und die Dimensionen des Problems klarzumachen: es macht immer einen großen Unterschied, wenn man selbst einmal mitten in diesen Müllmengen gestanden und mit angepackt hat.

Eine ganz konkrete Verpackungsumstellung als Reaktion auf eine ReplacePlastic-Mail hat es auch gegeben. Die Waldemar Behn GmbH aus Eckernförde hat ein Nutzer-Feedback über die App zum Anlass genommen, eine Produktverpackung von Plastik auf Papier umzustellen und vor allem die Folien-Umhüllung vieler Getränkekartons komplett wegzulassen. Das spart 2000 kg Folienkunststoff im Jahr. Wir finden, das ist ein toller Erfolg und eine klasse Reaktion, für die wir uns viele Nachahmer wünschen.

In den Andersmacher-Geschichten auf unserer Website berichten wir über Unternehmen, die Schritte wagen und sich für Verbesserungen engagieren. Im letzten Jahr waren das z.B. die Spielberger Mühle und ALB-GOLD mit der Umstellung von Plastik auf Papier und das Kosmetikunternehmen Fair-Squared, das nun Kosmetik in Mehrwegverpackungen anbietet. Unser Eindruck ist, dass Veränderungen am ehesten von kleinen und mittleren Unternehmen ausgehen. Diese haben es aber oft viel schwerer als die Riesen, weil ihre Verhandlungspositionen in der Regel sehr viel schlechter sind. Unser Weihnachtswunsch an die Politik wäre deshalb in diesem Jahr: kleine und mittlere Unternehmen, die motiviert sind und Verpackungen verbessern wollen, sollten unterstützt und beraten werden. Auch dafür wollen wir uns im kommenden Jahr einsetzen.

Wir danken euch ganz herzlich für alles, was ihr in diesem Jahr über euer Feedback ermöglicht habt. Unser Gefühl ist: im Moment gerät einiges in Bewegung und es öffnen sich vielleicht auch ein paar Türen. Es ist an der Zeit. Und deshalb: Weiter geht’s!

Im Herbst hat die App ein Update bekommen und ist nun auch über den Browser zu nutzen, also unabhängig von Handymodell und Betriebssystem. Auf der Website replaceplastic.de könnt ihr sehen, was gerade gescannt wurde und an welche Anbieter Mails versandt wurden.

Hier geht es zu Artikeln, die 2018 über ReplacePlastic erschienen sind:
Nordkind: Replace Plastic: Mit dem Smartphone zum Meeresschützer werden
smarticular.net: Replace-Plastic: Diese App spart Plastikmüll
N-Joy: Eine App gegen 8 Millionen Tonnen Plastik im Meer
Float-Magazin: Plastik ersetzen

Blog: Aus unserer Arbeit


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